Manchmal beginnen Gedanken, sich um mögliche Probleme zu drehen. Sie werden lauter, stellen Fragen, entwerfen Szenarien.
In solchen Momenten kann es helfen, den Blick wieder auf das zu richten, was jetzt wirklich da ist.

Die folgende kleine Geschichte erzählt von einem solchen Moment.

laute Gedanken

Ich gehe einen schmalen Weg entlang, bis ich an einen kleinen Fluss komme. Dort setze ich mich auf einen flachen Stein am Ufer. Das Wasser bewegt sich unaufhörlich. Es glitzert im Licht, strömt über kleine Steine und murmelt vor sich hin. Ich merke, wie ich langsamer werde.

In meinem Kopf ist es dagegen noch lebhaft. „Was wird aus dieser Sache?“ fragt ein Gedanke. „Und wenn es nicht gut ausgeht?“

Ich höre ihm eine Weile zu. Dann frage ich still zurück: „Ist das gerade wirklich ein Problem – oder nur ein Gedanke über ein mögliches Problem?“

Der Gedanke antwortet nicht. Er bleibt einfach einen Moment im Raum stehen. Ein anderer meldet sich gleich danach. „Man sollte sich vielleicht doch sorgen“, sagt er. „Nur zur Sicherheit.“

Ich lächle ein wenig. „Du willst mir helfen“, sage ich leise in mich hinein. „Das weiß ich.“

Ich sitze einfach da. Das Wasser fließt weiter. Ein paar Insekten tanzen über der Oberfläche. Ein Vogel ruft aus dem Geäst am Ufer. Langsam wird meine Aufmerksamkeit weiter. Ich spüre, wie sich mein Körper aufrichtet, ganz von selbst. Eine ruhige Spannung breitet sich aus. Ich nehme einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Das kühle Wasser schmeckt erstaunlich lebendig.

Auf einmal merke ich: Alles um mich herum ist voller Leben.

Der Fluss spricht in vielen kleinen Stimmen. Blätter rascheln. Ein Duft von feuchter Erde zieht vorbei. Die Natur schweigt nie wirklich. Von allen Seiten kommen Klänge – ferne und nahe – und sie erzählen von einem großen Raum.

Ein Raum, in dem ich lebe. Und zu dem ich gehöre.

Die Sonne wärmt mein Gesicht und meine Arme. Für einen Moment scheint die Zeit still zu stehen. Und doch ist sie noch da – nicht mehr als Sorge oder Gedanke, sondern einfach als dieser Augenblick des Wahrnehmens.

Der Geist kann sich leicht in der Zeit verlieren.
Doch im Erleben wird Zeit wieder Gegenwart.

Ich sitze noch eine Weile am Fluss und lasse alles auf mich wirken. Schließlich stehe ich auf und gehe weiter. Der Weg führt am Wasser entlang. Alles um mich herum bleibt lebendig. Auch im Gehen ist diese Anwesenheit noch da.

Nach einiger Zeit beginnen meine Gedanken wieder zu ziehen. „Und was ist mit morgen?“ „Und wenn das schwierig wird?“ Sie sprechen durcheinander, so wie zuvor.

Ich gehe weiter. Der Kies knirscht unter meinen Schritten. Das Wasser fließt neben mir. Nach einer Weile wird es wieder stiller. Und plötzlich erscheint ein ganz einfacher Gedanke: Ich könnte jemanden um Hilfe bitten. Oder: Der nächste Schritt ist mir klar. Oder: Ich muss gar nichts tun in der Sache.

Keine Aufregung. Kein innerer Lärm. Nur eine klare Einsicht. Ein Licht wenn man so sagen will. Ich merke mir den Unterschied.

Sorgen sprechen laut.
Erkenntnis kommt ohne Lärm.

Während ich weitergehe, wird mir noch etwas klar. Wenn Gedanken laut werden, kann ich mich dem Raum öffnen. Das kann hier draußen geschehen – am Wasser, unter dem Himmel, zwischen Bäumen und Steinen. Aber es kann auch zu Hause geschehen. Ich brauche nur wahrzunehmen, was wirklich da ist.

Den Raum um mich.
Die Geräusche.
Das Licht.

Wenn ich meine Aufmerksamkeit öffne, wird alles weiter.

Die Gedanken sind noch da. Aber sie sind nicht mehr allein. Der Raum trägt sie. Dann muss ich nichts abwehren und nichts vermeiden. Ich sehe die Dinge einfach in einem größeren Zusammenhang.

Ich gehe weiter am Fluss entlang. Das Wasser begleitet meinen Weg.

Und ich merke: Wenn Wahrnehmen größer wird als Sorgen, findet alles wieder seinen Platz.

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