Es ist eine eigenartige Gewohnheit geworden, Männlich und Weiblich als Gegensätze zu betrachten. Als würden sie sich gegenüberstehen – im Streit, im Ringen, im Kampf. Wenn ich jedoch ruhig hinschaue, zeigt sich etwas anderes.
Männlich und Weiblich sind keine Feinde. Sie sind zwei Ausdrucksformen desselben Lebens. Dort, wo sie sich begegnen, entsteht Verbindung. Und aus dieser Verbindung trägt sich das Leben weiter. Kein Mann kann allein neues Leben hervorbringen, keine Frau kann es für sich allein. Erst im Zusammenspiel entsteht etwas Drittes – etwas, das über beide hinausgeht.

Das Leben selbst scheint also nicht auf Trennung ausgerichtet zu sein, sondern auf Ergänzung.

Auch in der Astrologie sprechen wir von Gegensätzen. Zeichen stehen sich gegenüber, bilden Achsen. Doch dieses Gegenüber ist kein Kampf. Es ist eher wie zwei Waagschalen, die zusammen ein Gleichgewicht ermöglichen. Widder und Waage, Stier und Skorpion, Zwillinge und Schütze – sie stehen sich gegenüber und gehören doch zusammen. Das eine zeigt, was das andere ergänzt. Das eine wird erst durch das andere wirklich sichtbar.

Ähnlich ist es mit den Häuserachsen. Das erste Haus findet sein Gegenüber im siebten, das vierte im zehnten, das sechste im zwölften. Auch hier geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch. Ich kann mich selbst nur erkennen, wenn ich dem Anderen begegne. Ich finde meinen Platz in der Welt, indem ich mich auch in ihr verliere und wieder finde. Die Achsen zeigen nicht Trennung, sondern Beziehung.

Auch die Planeten tragen diese Qualität in sich. Die Sonne und der Mond, Venus und Mars – sie werden oft als männlich und weiblich beschrieben. Doch auch hier geht es nicht um Gegnerschaft. In ihrer astrologischen Bedeutung kann die Sonne ohne den Mond nicht wirklich leuchten, der Mond nicht ohne die Sonne empfangen. Venus verbindet, Mars bewegt. Das eine lädt ein, das andere geht voran. Erst im Zusammenspiel entsteht Lebendigkeit.

In jedem Menschen wirken diese Kräfte. Sie gehören zusammen, auch wenn sie sich manchmal widersprechen. Kein Mann ist ganz Mann, keine Frau ganz Frau. In jedem Menschen mischen sich diese Kräfte, manchmal mehr in die eine, manchmal mehr in die andere Richtung. Und manchmal passt keine Einteilung wirklich. Auch das ist Teil des Lebens.

Warum also sprechen wir noch immer vom „Kampf der Geschlechter“? Vielleicht ist es ein Echo aus alten Zeiten, in denen Macht, Abhängigkeit und Unverständnis das Miteinander geprägt haben – ein Echo, das noch nachklingt.

Heute wäre etwas anderes möglich. Ein Miteinander, in dem Unterschiede nicht trennen, sondern erweitern. Ein Raum, in dem man sich nicht bekämpfen muss, weil man sich nicht ausschließt. Vielleicht beginnt es genau dort, wo ich im Anderen nicht mehr den Gegensatz sehe, sondern eine Ergänzung.
So wie Tag und Nacht sich in der Dämmerung begegnen. Für einen Moment ist nicht mehr klar, was das eine und was das andere ist. Und gerade darin liegt eine besondere Ruhe, eine eigene Schönheit die so oft romantische Gefühle in uns Menschen auslöst.

Und vielleicht ist es am Ende ganz einfach: Das Leben hat kein Interesse am Kampf.Es will sich verbinden.

Nachdem wir nun geklärt haben, dass in der Frau auch männliche Qualitäten und im Mann auch weibliche sind, dürfen wir uns Gedanken über die beiden Prinzipien machen.

Tag und Nacht stehen sich auch polar gegenüber. Doch nie käme dem Tag in den Sinn, gegen die Nacht zu sein. Der Tag braucht die Nacht, damit das Leben ruhen kann und Kraft generiert für den nächsten Tag.
Wenn wir von Männlich und Weiblich sprechen, dann geht es nicht nur um Ergänzung, sondern auch um unterschiedliche Qualitäten. Das Männliche richtet sich oft nach außen. Es bewegt, gestaltet, setzt Impulse, geht voran. Es bringt etwas in die Welt.

Das Weibliche wirkt eher nach innen. Es empfängt, hält, verbindet, lässt wachsen. Es gibt dem, was entsteht, Raum und Tiefe. Das eine ohne das andere bleibt unvollständig. Bewegung ohne Verbindung verliert sich. Verbindung ohne Bewegung erstarrt. In der Natur lässt sich das leicht erkennen.

Der Samen trägt die Kraft des Aufbruchs in sich. Doch ohne die Erde, die ihn aufnimmt, nährt und schützt, kann er nicht wachsen. Der Fluss bewegt sich, sucht seinen Weg, doch erst im Flussbett findet er Richtung und Form. Der Tag bringt Klarheit und Aktivität, die Nacht schenkt Ruhe und Regeneration. Erst im Wechsel entsteht ein lebendiger Rhythmus. Das eine drängt nach Ausdruck, das andere schafft den Raum dafür.

Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht etwas Lebendiges, das im Zusammenspiel immer neue Formen des Lebens hervorbringt. Nicht als starre Rollen, sondern als Kräfte, die sich im Menschen begegnen und miteinander in Einklang kommen wollen.


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