ol2 Verschiedenes und Variables
 

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 Gefühle aus dem Herzen 

"Die Menschen sind verblendet und dem Materialismus verhaftet. Sie messen allem einen Nutzwert bei. Das ist der Grund, weshalb sie das Göttliche, das allem in gleichem Maße innewohnt, absondern, reduzieren und somit herabwürdigen. Das ist auch der Grund, weshalb die Wahrheit, die das Wesen der Göttlichkeit ist, nicht verstanden wird. Infolgedessen ist der Mensch nicht mehr imstande zu unterscheiden, was rechtes Handeln ist und was nicht.

Die Größe eines Menschen wird davon bestimmt, in welchem Maße er an seinem Charakter arbeitet und sich selbst erkennt, nicht von seiner Macht, seinem Geld oder seiner Stellung.

Folge deinem Herzen
Alles, was ihr im Leben gesehen und erlebt habt, wird in dem Moment, in dem ihr euch daran zu erinnern versucht, vor eurem geistigen Auge erscheinen. Das bedeutet, daß das gesamte Universum in euch existiert. Alles, was ihr seht, ist eine Spiegelung des inneren Wesens. Alles, was ihr sagt, ist ein Echo innerer Gedanken. Alles was ihr tut, ist eine Spiegelung innerer Handlungen.

Wenn ihr daher entsprechend euren inneren Impulse handelt, so ist das rechtes Handeln
Auszusprechen, was ihr in euch fühlt, ist Wahrheit
Über die Erfahrungen eures Herzens zu meditieren, ist Frieden.
Die Impulse des Herzens richtig zu verstehen, ist Gewaltlosigkeit
Achtung für alles, was aus dem Herzen kommt, ist Liebe
Dies alles ist Ausdruck von Gefühlen, die aus dem Herzen kommen."

Sathya Sai Baba

arrowTop  Stolz 

Als ich, unbekümmert um die große Welt da draußen, mich in meinem Arbeitszimmer einsperrte, entwickelte sich allmählich in mir der Glaube, dass ich unentbehrlich sei. Von allen Mitteln, derer sich die Natur bedient, um den Menschen zur Arbeit zu zwingen, ist dieses stolze Gefühl der Unentbehrlichkeit das wirksamste. Wer nur für Geld arbeitet, arbeitet nur soweit, als sich die Arbeit bezahlt macht; was darüber hinausginge, würde er als Verlust betrachten. Aber wen der Stolz zur Arbeit antreibt, der kann sich nie genug tun. Ich war so eifrig in meinem Glauben an meine Unentbehrlichkeit, dass ich kaum Atem zu schöpfen wagte. Mein Arzt warnte mich wiederholt und sagte: "Nun hören sie einmal auf und gönnen sich Ruhe!" Aber ich erwiderte: "Wie soll die Sache weitergehen, wenn ich ruhe?" Da versagte meine Gesundheit, die Räder meines Wagens brachen, und er blieb hier unter diesem Fenster liegen. Von hier blickte ich hinaus in den grenzenlosen Raum. Da sah ich den Siegeswagen der Zeit an mir vorbei rollen; seine unzähligen Räder blitzten, kein Staub erhob sich, kein Lärm, nicht einmal eine Spur blieb auf dem Weg zurück. Plötzlich kam ich zur Besinnung. Ich sah klar, dass die Sache auch ohne mich ging. Da war keine Gefahr, dass diese Räder anhielten, oder auch nur im geringsten schleiften, weil irgendein einzelner Mensch fehlte. - Aber kann man sich so leicht mit dieser Tatsache abfinden? Selbst, wenn ich sie mit Worten zugebe, so wehre ich mich innerlich doch dagegen. Wenn es wirklich ganz gleich wäre, ob ich da bin oder nicht, wie könnte mein Selbstgefühl auch nur einen Augenblick im Weltall Platz finden? Worauf könnte es sich stützen? Bei all der Fülle, von der Zeit und Raum wimmeln, war es doch nicht möglich, dies, - mein Selbst, auszulassen. 

Die Tatsache, dass ich unentbehrlich bin, wird allein durch die Tatsache gerechtfertigt, dass ich bin. 

Rabindranat Tagore

arrowTop  Wahre Menschen

 
Aus dem Buch "Wu wei - Lebenskunst des Tao" von "Theo Fischer" 
ISBN 3-923 781-34-2

"Menschen, die etwas Wahres in sich spüren, leben aufrecht und gerecht, ohne zu wissen, dass solches Tun Rechtschaffenheit darstellt. Sie lieben einander, ohne zu wissen, dass solches Güte ist. Sie sind ehrlich und wissen doch nicht, dass solches Treue ist. Sie halten ihre Versprechen, ohne zu wissen, dass sie damit in Glaube und Vertrauen leben. Sie stehen einander bei, ohne daran zu denken, Geschenke zu vergeben oder zu empfangen. So hinterlässt ihr Handeln keine Spur."
Und ich möchte anfügen: Es sind freie Menschen, wahre Menschen, liebende und daher hoch verletzliche Menschen.  Es tut gut zu wissen, dass da Menschen sind, die solche Worte verstehen.

arrowTop  Ethik?

Das Axelrod-Experiment

Eines der Modeworte unserer Zeit ist Strategie. Unternehmen suchen nach ihren Erfolgsstrategien. Aufsteiger suchen nach ihrer Karrierestrategie. Parteien entwickeln ihre Wahlstrategie. Das Wort Strategie kommt aus der Sprache der Kriege. Bei der Frage nach der Strategie geht es um die Frage: Wie kann ich den Gegner besser besiegen? 
Ist die richtige Strategie dafür entscheidend, ob das Leben gelingt, oder geht es doch um mehr? Eher um die richtige Lebensphilosophie und die richtigen Werte? 

Kann man gegen raffinierte Strategien mit starken Werten und einer starken Philosophie überhaupt ankommen? Lohnt es sich Werte zu haben, oder ist dieses in unserer Welt blauäugiges "Geschwätz" von Moralpredigern und Werteaposteln? Gibt es auch zu dieser Frage eine Antwort, die nicht auf Morallehren gründet und nicht auf hehren Erziehungsleitsätzen? 

Ja, es gibt sie! Das ist das viel zu wenig bekannte Axelrod-Experiment. Seit den 50er Jahren gibt es die sogenannte Spieltheorie. Begründet von John Neumann und Oskar Morgenstern. 

Die beiden Begründer leben nicht mehr, aber drei Wissenschaftler, die die Spieltheorie weiterentwickelt haben, wurden vor zwei Jahren mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Darunter als erster Deutscher Reinhard Selten, Bonn. 
Die Spieltheorie stellt die Frage: Welche Verhaltensweisen sind erfolgreicher? Welche zahlen sich besser aus? 
Im Rahmen der Entwicklung der Spieltheorie hat im Jahre 1979 ein amerikanischer Politik-Wissenschaftler namens Robert Axelrod ein hochinteressantes Experiment durchgeführt. Er hat unter Spieltheoretikern ein Turnier von Computerprogrammen ausgeschrieben, wer wohl die erfolgreichste Strategie findet, die sich am besten auszahlt. Alles war möglich. Raffinierte Spielstrategien, offene oder solche, bei denen die Karten nicht offengelegt wurden. Es gab nur ein Ziel: Auszahlungserfolg. 

15 Programme mit jeweils unterschiedlichen Strategien traten in der ersten Runde gegeneinander an. Einer der Teilnehmer war der Mathematiker und Systemtheoretiker Anatol Rapoport aus Toronto. Er hatte das kürzeste und simpelste Programm geschrieben und nannte es "Tit for Tat". Das Programm hatte vier Regeln: 

1.) Ich spiele offen. Ich habe keine geheimen Regeln in der Hinterhand. 
2.) Ich spiele immer auf Kooperation, suche Zusammenarbeit und die gemeinsame Optimierung des Nutzens. 
3.) Wenn mich einer, weil ich "so nett" spiele, ausnutzen will, schlage ich unverzüglich zurück. 
4.) Aber ich bin nicht nachtragend. Schon in der nächsten Runde spiele ich wieder auf Kooperation.

Ich bin also rasch im Vergelten und rasch im Vergeben. Die Runde wurde gespielt, Anatol Rapoport hatte die größte Auszahlung. Das war eine Überraschung. Axelrod veröffentlichte die Analyse dieses Spiels und lud zu einem zweiten Turnier ein. 
Die Zahl der Teilnehmer wuchs. Diesmal wollten auch Wirtschaftswissenschaftler, Mathematiker, Ingenieure, Biologen und Computerfreaks mitmachen. Es traten 26 Programme gegeneinander an. Anatol Rapoport blieb bei seiner simplen Strategie. Bei den anderen wuchs der Ehrgeiz. Sollte es denn nicht möglich sein, diese "gutmütige" Strategie zu besiegen? Anatol Rapoport gewann auch das zweite Turnier. Daraufhin entwarf Axelrod eine neue Turniervariante. Er unterwarf die einzelnen Programme einem evolutionären Selektionsprozess. Er simulierte die Wirkung einer natürlichen Auslese in seinem Computer. Die erfolgreicheren Programmvarianten konnten sich stärker vermehren. Die erfolgloseren starben aus. Jetzt setzte sich Rapoports "Tit for Tat"-Strategie sofort an die Spitze und baute ihren Vorsprung aus. Besonders interessant dabei war, dass die Strategien, die auf die rücksichtslose Ausbeutung der Schwächeren setzten, sich anfangs vielversprechend vermehrten, dann aber untergingen. Ausbeutung brachte also kurzfristige Erfolge. Langfristige nicht. 

Dieses Axelrod-Experiment kann gar nicht genug bekannt gemacht werden. Es müsste Bestandteil des Schulunterrichts sein, jeder Gemeinschaftskunde und jedes Religionsunterrichts. Das Ergebnis ist dramatischer, als jede Moralpredigt sein kann: Die beste Strategie im Leben heißt: Offen spielen, Zusammenarbeit suchen, kooperativ arbeiten, den gemeinsamen Nutzen fördern. Dies aber gepaart mit dem Signal, dass Kooperation nicht Schwäche ist und dass man jemanden, der so "gutmütig" spielt, nicht aufs Kreuzlegen kann.

Axelrod selbst schreibt in seiner Ergebnisanalyse den Satz: "Sogar Strategie-Experten aus den politischen Wissenschaften der Soziologie, Ökonomie, Psychologie und Mathematik machten systematisch die Fehler, zu wenig kooperativ für ihren eigenen Vorteil zu sein, zu wenig zu geben und zu pessimistisch hinsichtlich der Reaktionsmöglichkeiten der anderen Seite zu sein." Ich bin überzeugt: Die Wertedebatte kann und muss auf einer neuen system-theoretisch naturwissenschaftlichen Ebene geführt werden. Es gibt begründbare Werte, die jenseits aller intellektuellen Beliebigkeit stehen, wie sie das Gedeihen des Lebens in Fülle und Vielfalt fördern.

Quelle: "Lübecker Nachrichten 3./4. Oktober 1997 
von: Dr. Manfred Sliwka, Unternehmensberater aus der Vulkaneifel, ist Mitglied des "Club of Vienna", der Ursachen von Wachstumsprozessen untersucht.

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aus der Zeitschrift      spuren

Frage: Du arbeitest als spiritueller Lehrer. Was unterrichtest Du?

Antwort: Das Entfernen von Illusionen, Konzepten und Missverständnissen. Licht in die Dunkelheit dieser komplizierten Welt zu bringen, in der wir leben, und den Menschen innere Wärme, Liebe zu schenken, das gehört sicher dazu!

F: Welche Methode wendest Du dabei an?

A: Keine! Alle Methoden sind zum Scheitern verurteilt.

F: Wie das?

A: Schau Dich doch um! All die unzähligen Methoden und vorgeschriebenen spirituellen Techniken - sie sind alle trügerisch und vergeblich, da der Übende weiterhin mit der Illusion verbunden ist, er sei ein unabhängiges Wesen, das sich ein Ziel setzen und dieses auch erreichen könne. Aber: Der Handelnde und die Handlung sind beide illusorisch, sind Nicht-Realität.

F: Was meinst Du mit Realität?

A: Realität ist weder ein Objekt noch ein Subjekt. Realität wird erkannt, wenn alles Irreale verschwindet. Realität ist sehr einfach. Alles andere ist sehr kompliziert und verwirrend.

F: Was würdest du sagen, sind die Merkmale von Erleuchtung?

A: Was! Ich wusste nicht, dass es Merkmale für die Erleuchtung gibt. Ich frage mich, wer diese Merkmale erfunden und gesehen hat. Die Realität oder jemand anderes? Jegliche Suche nach Erleuchtung und ihren Merkmalen ist eine Jagd, die von der Einfachheit der Realität wegführt. Realität ist nie ein Objekt. Erleuchtung ist eine Sehnsucht, etwas, das Menschen glauben besitzen zu können oder erfüllen zu müssen. Ich kümmere mich nicht um Erleuchtung. Einfachheit und Normalität sind andere Namen für Zufriedenheit und Ruhe, unser eigentlicher Grundzustand, das reicht mir. Vielleicht ist das dieser leuchtende Zustand? Es heißt ja: Er-leuchtung, nicht Ich-leuchtung, deshalb sollte man nicht mit Übungen und Meditationen fiktiven Zuständen nachjagen, die einen von der Normalität wegführen.

F: Was meinst Du mit Normalität?

A: Normalität kann nur dann erkannt und gelebt werden, wenn alles Unnormale, alle Missverständnisse und die Lieblosigkeit, die wir unserem Leben aufgepfropft haben, verschwinden.

F: Wenn es keine Methode gibt, um diese Normalität zu erreichen, was kann man tun?

A: Das Irreale in unserem Leben klar erkennen. Erkennen ist keine Methode. Erkennen ist unmittelbares, intuitives Sehen und Durchdringen. Es ist, wie wenn eine Kerze in einem dunklen Raum angezündet wird: Keiner weiß, wo die Dunkelheit hingegangen ist. Licht hat eine enorme Auswirkung auf die Dunkelheit. Intuitives Sehen hat eine enorme Auswirkung auf Unwissenheit und Missverständnisse.

F: Ist dieses Erkennen nicht ein intellektuelles Erkennen?

A: Nein. Diese Art der Betrachtung sieht, dass der Intellekt, der Verstand, der gesamte psychosomatische Organismus nichts anderes als eine Erscheinung im Bewusstsein ist, ein vergängliches Phänomen. Im klaren Erkennen zeigen sich alle Formen als leer und ohne Substanz.

F: Also muss diese Art des Sehens einem irgendwie aufgehen?

A: Wie könnte intuitives Sehen einem aufgehen? Sehen ist Deine innerste Realität. Sehen ist jenseits des Gesehenen.

F: Ist dieses Sehen vergleichbar mit "Licht in einem dunklen Zimmer anmachen"?

A: Ja, aber Sehen ist frei von Machen, Werden, Entwicklungen und Implikationen. Sehen ist frei von Zeit, Raum und Bewegung. Sehen bedeutet auch nicht, "etwas" zu erkennen, denn dieses "Etwas" ist Erscheinung und somit nicht real. Das "Etwas" hat mit Subjektivität und Interpretation zu tun, mit Dualität. Sehen an sich ist nicht dual!

F: Was meinst Du damit, dass das "Etwas" nicht real sei?

A: Das "Etwas", das real erscheint, ist leer wie eine Fata Morgana in der Wüste. Wenn wir sie sehen, sind wir davon überzeugt, dass sie real ist, doch je näher wir kommen, desto deutlicher sehen wir, dass das wahrgenommene Bild leer ist, eine Luftspiegelung, eine Sinnestäuschung. Da ist letztlich überhaupt kein Bild. Solche Allegorien helfen uns, uns selbst klarer zu sehen und zu verstehen.

F: Wenn Du sagst, die Dinge seien leer, ist das nicht Dein intellektuelles Verständnis?

A: Auf keinen Fall. Was ich Dir zu erklären versuche, ist Folgendes: Etwas, das ich in meinem täglichen Leben jahrelang als real betrachtet habe, wird plötzlich als ein falsches Konzept, als ein Missverständnis, als nicht real existierend erkannt. In diesem Augenblick löst sich das Nicht-Reale vollkommen auf. Eine Klärung hat stattgefunden. Wenn so etwas geschieht, fragst Du Dich dann: "Wo ist denn das Nicht-Reale hingegangen?" Du merkst, dass dies eine absurde Frage ist. Es ist, als hätte man in einem Raum das Licht eingeschaltet und würde danach die Dunkelheit suchen. Sehen hat nichts mit intellektuellem Verständnis zu tun.

F: Ist dieses Erkennen mit dem Zustand des Absoluten gleichzusetzen?

A: Was meinst Du mit "Zustand"'?

F: Nun, es ist mein Konzept, so wie ich mir das Wesen des Buddha vorstelle.

A: Wie Du sagst: Es ist Dein Konzept, Deine Vorstellung. Mach Dir keine Gedanken um das Absolute oder um einen Zustand und um das, was sein wird und was nicht sein wird. Es ist die Unwissenheit, die solche Fragen stellt. Finde heraus, wer Du wirklich bist, und dann rufe mich an. Lass mich dann bitte wissen, ob Du so etwas wie das Absolute oder einen Zustand gefunden hast.

F: Du sagst also, Erleuchtung existiert nicht, da sie ein Konzept des Suchenden ist?

A: Ich habe nie gesagt, dass Erleuchtung nicht existiere. Ich habe nur gesagt: Kümmere Dich nicht um Erleuchtung. Finde heraus, wer Du bist, alles übrige ist unnötig. Ich frage mich, wie Erleuchtung existiert, für wen sie existiert, und wo...? Und wer behauptet: "Ich bin erleuchtet?" lass uns normal sein, das ist gut genug. Er-leuchtet. Wer ist "Er"? Kümmert "Er" sich um solche Dinge?

F: Ist es nicht ein Paradox, dass Du Dich wie ein Lehrer verhältst, was Dualität voraussetzt, nämlich einen, der weiß und einen, der nicht weiß, während Du der Dualität andererseits keine Realität zugestehst?

A: Ja, ich bin ein spiritueller Lehrer und bin mir bewusst, dass ich, sobald ich den Mund aufmache und spreche, in der Dualität bin und so bis zu einem gewissen Grad Illusion erzeuge. Ich bin mir aber auch bewusst, dass, sobald ich den Mund aufmache und spreche, die Klarheit und die innewohnende Kraft der gesprochenen Worte die Illusion wieder zum Verdunsten bringt. Wie ich bereits erklärt habe: Mario Mantese ist als Person unwichtig, aber was er sagt, ist äußerst wichtig, denn es schafft Klärung. Klärung ist wie Licht, das in einen dunklen Raum einstrahlt. Die endgültige Wahrheit kann nie in Worte gefasst werden. Sie ist unfassbar und unaussprechbar.

F: Viele Menschen praktizieren alle möglichen Formen von Spiritualität. Ist das nicht hilfreich?

A: Natürlich ist das hilfreich. Es hilft den Menschen, von Außen nach Innen zu schauen. Das ist am Anfang wichtig. Aber viele Menschen bleiben zwanzig Jahre oder noch länger am Anfang. Sie haben in der ganzen Zeit offenbar nicht erkannt, dass sowohl der Praktizierende wie das Praktizierte Täuschungen sind, nicht real.Also: eine spirituelle Praxis ist wichtig, aber man sollte auf jeden Fall tiefer gehen. Natürlich spricht dieses "tiefer gehen", dieses "tun können", nun wiederum etwas sehr Tiefes in uns an. Denn genau diese unnötigen Praktiken und Methoden und die vielversprechende Idee, aus eigener Kraft etwas erreichen und Großes vollbringen zu können, die damit verbunden ist, sind fürs Ego äußerst spannend und attraktiv. In diese Ego-Falle gehen viele! So gesehen ist das, was ich sage und vermittle, sehr unattraktiv. Nichts zu tun. Nichts zu erreichen. Nichts zu üben. Die eigene Unklarheit, die Selbstverlogenheit und Selbstverliebtheit wirklich restlos nüchtern aufzudecken und zu demaskieren, ist für viele schrecklich, nicht wahr? Sie üben und meditieren lieber.

F: Ist denn nicht innere Reinigung notwendig, um bei diesem Erkennen anzukommen?

A: Ankommen ist falsch. Du kannst nie ankommen, weil Du schon bist, wo Du glaubst, ankommen zu können. Mit der Idee "anzukommen", stellst Du Dir selbst eine Falle. Sich dessen bewusst zu sein, ist eine enorme Reinigung. Dieses Sehen nenne ich Meditation.

F: Was ist mit Samadhi-Erfahrungen? Viele Meister aus verschiedenen Traditionen scheinen vor ihrer endgültigen Erleuchtung diese Zustände erlebt zu haben.

A: Ich weiß nichts über Samadhi. Aber ich habe gehört, dass wenn Menschen über Stunden in einem Zustand tiefster Versunkenheit verharren, das damit verbundene Gefühl, dieser Zustand, Samadhi genannt wird. Ich frage mich nur, ob derjenige, der meditiert, und derjenige, der die Erfahrung des Samadhi macht, zwei verschiedene Wesen sind oder ein und dasselbe. Meditation impliziert immer Dualität. Anstatt stundenlang zu meditieren, würde ich mich fragen: Wer ist es, der meditieren will? Warum will er meditieren? Was ist das Ziel, die Motivation, die Leistung hinter all dem? Wenn Samadhi ein Zustand ist, den ich durch Versenkung erlange und beim Auftauchen aus der Versenkung wieder verliere, dann kann er nicht viel wert sein. Nicht mehr als jede andere vorübergehende Befriedigung der Sinne. Deshalb interessieren mich solche Praktiken nicht. Sich solche Fragen zu stellen, ist für mich Meditation. Das bedeutet: in den tiefsten Schichten des inneren Seins zu forschen und von aller Aktivität und Nicht-Aktivität in diesem Sinne freizuwerden.

F: Viele Lehrer scheinen ebenfalls wie Du eine Todeserfahrung gemacht zu haben, bevor sie sich selbst erkannten.

A: Ich weiß nichts von vielen Lehrern. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen. Ja, ich habe eine immense Todeserfahrung gemacht. Die Einsicht daraus war, dass nie jemand gestorben ist und nie jemand geboren wurde, und dass Leben und Sterben als solche eine Täuschung, ein Konzept und ein Missverständnis von mir selbst gewesen sind. Existenz hat keinen Anfang und kein Ende. Menschen leben in und durch ihre eigenen mentalen Konzepte, in denen sie gefangen sind. Das ist die große Illusion.

F: Also: Tod existiert nicht, nur für den Körper?

A: Der Körper ist eine vorübergehende Erscheinung im Bewusstsein, ein Konzept.

F: Gibt es, in diesem Licht betrachtet, einen freien Willen des Menschen?

A: Ich habe nie gesagt, irgend etwas sei im Licht! Wenn irgend etwas im Licht wäre, gäbe es Schatten, Dualität. Das Licht an sich hat aber mit Schatten nichts zu tun. Licht und Schatten können nicht koexistieren. So ist es auch mit der Idee vom freien Willen. Der freie Wille ist, wie der Schatten, nur eine Erscheinung, ein Phänomen, und in diesem Sinne eine Illusion.

F: Existiert denn der freie Wille nicht?

A: Diejenigen, denen er wichtig scheint, die können ihn haben.

F: Was meinst Du damit?

A: Wille ist ein anderer Name für das Ego-Konzept. Der Erwachende hat es restlos überwunden und demaskiert. Die Abwesenheit des Willens bedeutet aber nicht Untätigkeit in der Erscheinungswelt, sondern das Nichtvorhandensein willentlich beeinflusster Handlungen, sowohl positiver wie negativer Art.

F: Wenn man noch nicht verstanden hat, dass man in Wirklichkeit jenseits mentaler Konzepte existiert, was passiert zum Zeitpunkt des Todes mit einem? Wird man zum Beispiel eine Wiedergeburt erleben?

A: Natürlich ist Wiedergeburt ein Teil des Konzeptes derer, die nicht klar sehen und sich nicht aus der Unklarheit gelöst haben. Auf dieser Ebene der subjektiven Verwirrung ist Wiedergeburt unvermeidlich. Womit deutlich wird, dass das, was wiedergeboren wird, nur die subjektive Unwissenheit ist, die eigene Verdunkelung. Das Leben nach dem Tod, also der Zustand vor der Wiedergeburt, ist die genaue Widerspiegelung der inneren Verfassung des Menschen. Er erlebt immer sich selbst!

Man muss sich im klaren sein, dass mit der Unwissenheit, der Verdunkelung des menschlichen Geistes gewaltige Kräfte verbunden sind. Ein Mensch, der stirbt, ist in seinen eigenen Konzepten gefangen. Er wird in seinen Bildern und Vorstellungen, deren Besitzer er ist, im Jenseits weiterleben, und er lebt und erlebt genau das, was er ist. Was Du säst, erntest Du. Man kann das Jenseits mit einem Spiegel vergleichen, einer Sphäre, in der sich die innere Begrenzung und Gefangenschaft des menschlichen Geistes in verschiedenen Zuständen und Bereichen bildhaft und lebendig ausdrückt und widerspiegelt. Was man auf dieser inneren Ebene erlebt, findet immer im Hier und Jetzt statt. Aus der Summe dessen, was man durch die vielen Erfahrungen und Erinnerungen gespeichert hat, gestaltet man sein Leben, es ist die bestimmende Schicksalskraft, die Voraussetzung für das, was man in Zukunft erleben wird, sei es im Diesseits oder im Jenseits. Von wirklicher Befreiung kann auf dieser zweifachen Ebene der Verwirrung keine Rede sein!

F: Hat Deine eigene Todeserfahrung Dir diese Einsicht vermittelt?

A: Meine Erfahrung war außerordentlich intensiv, mir war, als sei ich tausend Jahre weg gewesen. Ich kann sagen, dass ich durch Höllen und Himmel wanderte und himmlischen Wesen begegnete. Ein Jahr später, als ich nicht mehr blind war, gab mir ein Freund das Bardo Thödöl, das Tibetische Totenbuch zum Lesen, und ich stellte völlig überrascht fest, dass alles genau so niedergeschrieben war, wie ich es erlebt hatte. Erst viel später durchschaute ich die unwahre Sphäre des Diesseits und des Jenseits. Ich begriff, dass beide Zustände nichts anderes waren als subjektive Erfahrungen innerhalb des eigenen Bewusstseins, Spiegelungen der Unwissenheit!

F: Hast Du noch Visionen?

A: Natürlich. Ich sehe Dich. Du bist nichts als eine Vision.

F: Und Dein Alltag?

A: Was meinst Du mit "Alltag"?

F: Nun, wieder normal in der Welt zu sein, wie Du es ausdrückst. Wie gestaltet sich das für Dich?

A: Ich muss Dir gestehen, dass ich nicht die geringste Ahnung vom alltäglichen Leben in der Welt habe, da beide für mich in dem Sinne nicht mehr existieren. Ich weiß nur, dass ich wirklich existiere, frei von einem Diesseits, frei von einem Jenseits, losgelöst und unbeschwert. Das ist alles.

Vielleicht ist das Normalität? Wer weiß?

Mario Mantese im Web  http://www.mariomantese.com

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Aus dem Buch "Rückkehr zur Liebe" von Marianne Williamson

"Es gibt keine Menschen die nicht glauben. Es gibt nur Menschen die an nichts glauben. Glaube ist ein Aspekt des Bewusstseins. Wir glauben entweder an die Angst oder an die Liebe, an die Macht der Welt oder an die Macht Gottes.
Uns ist grundsätzlich beigebracht worden, dass wie als verantwortliche Erwachsene die Aufgabe haben, aktiv zu sein und in männlicher Weise zu agieren, das heißt, vorzusprechen und den Job zu kriegen, unser Leben fest im Griff zu haben, den Stier bei den Hörnern zu packen. Wir wurden gelehrt, dass darin unsere Kraft liegt. Das, was wir erreicht haben, nicht das, was wir sind, ist die Basis für unseren Glauben an unsere Kraft und Macht. Und damit sitzen wir in der Klemme. Solange wir nichts erreicht haben, haben wir auch nicht das Gefühl, die Kraft und Macht zu haben, etwas zu erreichen. 

Wir werden hysterisch, wenn jemand daherkommt und uns vorschlägt, uns doch dem Fluss der Dinge zu überlassen und vielleicht ein bisschen heiterer zu werden. Dabei sind wir doch mit unserm Erfolgskurs, soweit wir das feststellen können, absolut im Hintertreffen. Noch passiver zu werden, als wir schon sind, ist das letzte, was wir uns vorstellen können. 

Passive Energie besitzt ihre eigene Art der Stärke. Persönliche Macht entsteht aus einem Gleichgewicht der männlichen und weiblichen Energien. Passive Energie ohne aktive Energie ist unnatürlich und zeigt sich in Machogebaren, Kontrolliersucht und Unausgewogenheit. Das Problem ist, dass uns allen beigebracht wurde, die aggressive Energie zu respektieren. Man hat uns gesagt, dass das Leben für die Stürmer auf dem Spielfeld geschaffen wurde, und deshalb halten wir unser männliches Bewusstsein hoch, das, wenn es nicht vom weiblichen gezügelt wird, voller Härte ist. Und das sind wir alle, Männer wie Frauen: Wir sind hart. Wir haben uns eine Kämpfermentalität zugelegt. Wir kämpfen immer um irgend etwas: um den Job, das Geld, die Beziehung, darum, dass wir aus der Beziehung rauskommen, dass wir abnehmen, wieder nüchtern werden, dass sie uns verstehen, dass sie bleiben, dass sie gehen, und so weiter und so weiter. Wir legen unser Schwert nie beiseite.

Der weibliche, sich hingebende Aspekt in uns ist passiv. Er tut nichts. Der Weg in die Spiritualität ist bei Männern wie bei Frauen ein Prozess der Entfaltung des weiblichen Wesens, eine Beruhigung des Geistes. Er ist die Kultivierung des persönlichen Magnetismus.

Wenn Sie ein Häufchen Rasierklingen haben, die Sie zu einem schönen Muster ordnen wollen, können Sie zwei Dinge tun. Sie können versuchen, diese kleinen Metallstückchen mit den Fingern zu einem wunderbaren Filigranmuster zu ordnen, oder sie können einen Magneten verwenden. Der Magnet wird die Rasierklingen anziehen. Er symbolisiert unser weibliches Bewusstsein, das seine Macht über Anziehung statt über Aktivität ausübt. 

Dieser attraktive, empfängliche weibliche Aspekt unseres Bewusstseins ist die Sphäre mentaler Hingabe. In der taoistischen Philosophie wird das weibliche Prinzip, das die Kräfte der Erde repräsentiert, Yin, und das männliche Prinzip, das den reinen Geist (spirit) repräsentiert, Yang genannt. Wenn wir Gott als einen Er bezeichnen, dann wird die ganze Menschheit zu einer Sie. Hier geht es nicht um die Mann-Frau-Problematik. Wenn wir uns auf Gott als männliches Prinzip beziehen, beeinträchtigt das in keiner Weise feministische Überzeugungen. Unser weibliches Selbst ist ebenso wichtig wie unser männliches Selbst.

Die richtige Beziehung zwischen dem männlichen und dem weiblichen Prinzip ist jene, in der sich der weibliche Aspekt dem männlichen Aspekt hingibt. Hingabe bedeutet weder Schwäche noch Verlust. Sie ist ein mächtiges Nicht-Widerstand-Leisten. Öffnet sich das menschliche Bewusstsein und wird es empfänglich, dann kann der reine Geist in unser Leben einfließen, es durchdringen und ihm Bedeutung und Richtung geben. In christlich-philosophischen Begriffen symbolisiert Maria das Weibliche in uns, das von Gott geschwängert wird. Das Weibliche lässt diesen Vorgang zu und wird dadurch, dass es sich ihm hingibt, erfüllt. Dies bedeutet keine Schwäche; es ist Stärke. Der Christus auf Erden hat Gott zum Vater und unsere Menschlichkeit zur Mutter. Durch eine mystische Verbindung zwischen dem Menschlichen und Göttlichen gebären wir unser Höheres Selbst."

aus "Marianne Williamson", "Rückkehr zur Liebe", Goldmann Taschenbuch ISBN 3-442-12209-0

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